Funknachrichten aus der Festung Przemysl 1915
Die im ehemaligen österreichischen Kronland Galizien gelegene Stadt und Festung Przemysl wurde bald nach Beginn des l. Weltkrieges von russischen Truppen eingeschlossen und zwar ein erstes Mal vom 18. September bis 10. Oktober 1914 und dann nochmals vom 7. November 1914 bis zur Kapitulation am 22. März 1915. Die „Fliegerpost" aus der belagerten Festung Przemysl, der erste im großen Stil durchgeführte Transport von (Feld-)Post durch Flugzeuge, ist den Philatelisten wohlbekannt. Weniger bekannt ist, dass in der eingeschlossenen Festung das moderne Kommunikationsmittel Radiotelegraphie auch für die Übermittlung von privaten „Funknachrichten" benutzt wurde.
Die österreichisch-ungarische Armee verfügte bei Kriegsbeginn 13 ortsfeste Radiostationen (darunter Przemysl, Peterwardein/Petrovaradin und Laaerberg für Wien) und 13 mobile, die für die Armeekommandanten vorgesehen waren. In Przemysl befanden sich während der Einschließung sowohl die ortsfeste Station („Stabradio") als auch eine mobile Station („Feldradio"). Beide Stationen wurden jedoch wegen der Abhörgefahr nur zur Übermittlung von Nachrichten minderer Bedeutimg verwendet: Meldungen der Presseagenturen (für die Festungszeitungen), Nachrichten über die Ankunft der Flugzeuge, aber auch Geldüberweisungen wurden radio-telegraphisch übermittelt. Wichtige militärische Nachrichten wurden nur mittels Kurier im Flugzeug befordert.In den letzten Wochen vor der Kapitulation nutzten, soweit wir bisher wissen, zwei privilegierte Offiziere die Funkverbindung, um private Nachrichten zu übermitteln. Einer war Oberleutnant Felix Hölzer,Nachrichtenoffizier beim Festungskommando, von dem wir einige Funknachrichten nach Wien kennen, die dort auf Feldpostkarten übertragen und den Adressaten zugestellt wurden. Der andere war Oberleutnant Walfried Hahn, dem die stabile Radiostation Przemysl unterstand. Von ihm existiert ein „Radio-Telegramm", am 19.2.1915 nachmittags an die Station Peterwardein gesendet. Empfängerin war eine Frau Hufnagel, wohl die Gattin eines Offizierskollegen, der dieses „Radio-Telegramm" durch die „K.U.K. provisorische Radiostation Petrovaradin" zugestellt wurde. (Abb. l und 2). Weitere Belege oder andere Nutzer sind mir bisher nicht bekannt geworden..