Eine Methode zur Entdeckung von Stempelfälschungen
Abb. l zeigt einen der wichtigsten und schönsten Briefe der nachklassischen Philatelie Argentiniens mit dem berühmten Einschreibestempel, der „Palomita" (Taube) von Mercedes (Prov. Buenos Aires). Da es sich um den bis heute einzigen bekannnten echten Abschlag handelt, erstaunt es nicht, das dieser für Fälscher eine grosse Verlockung darstellt. Es war allerdings bekannt, dass ein weiterer solcher Stempel auf einer Einzelmarke existiert, nur wusste niemand ob er echt ist. Der Besitzer wurde in Spanien vermutet.
Abb1: Brief vom 24.11.1869 von Mercedes (Prov. Buenos Aires) nach Buenos Aires. 5-facher Inlandtarif 5 x Sctvs + R-Taxe 30ctvs = 55ctvs.Grüner Rhomboid-Stempel (RR), roter Datumstempel (wahrscheinlich einziger bisher bekannter aus dieser Zeit), und R-Stempel "Palomita" (Täubchen). Alle 3 Stempel wurden vom Chef des Postamtes von Mercedes eigenmächtig bestellt und dann dem Generaldirektor der Post vorgelegt. Der Rüffel erfolgte sofort, die Verwendung wurde verboten, da Stempel in den USA bestellt seien. Offenbar kamen diese aber erst Monate später an, sodass die Verwendung toleriert werden musste.
Jetzt wissen wir, dass er sich tatsächlich dort befindet, da ich vor einiger Zeit von einem in Spanien lebenden Argentinien-Sammler, Omar Perez kontaktiert und um eine Kopie des Briefes gebeten wurde mit der Absicht, dessen Abschlag mit seinem Exemplar vergleichen zu können. Ich sandte ihm per e-mail einen Scan. Dank seiner hervorragenden Kenntnisse der Computer-Graphik konnte er folgenden Beweis führen.
Abb. vom 2 zeigt einen Originalabschlag der „Palomita". Dieser war einem Schreiben 8. Juli 1869 des damaligen Chefs der Postverwaltung von Mercedes, Jörge M. Velardo, an Don Jose G. Posadas, Generaldirektor der argentinischen Post, beigelegt.
Ich vermute, dass dieser Abschlag als Modell für die Reproduktion im Stempelkatalog „Matasellos Argen-tinos 1862-1880" von Juan Carlos Pedret diente.
Nun, Omar konnte den Teilabschlag auf seiner Marke, der 4c American Bank Note Company von 1873 (Abb. 3) ohne den Hintergrund rekonstruieren und ihn massstabgerecht auf die Abbildung im Katalog von Pedret überlagern (Abb. 4). Wir sehen, dass praktisch Kongruenz besteht. Der nächste Schritt war, die „Palomita" des Briefes mit dem Teil-Abschlag auf seiner Marke zu überlagern (Abb. 5). Der Unterschied ist eklatant. Der Vergleich des Originals mit der Zeichnung im Katalog ergibt dasselbe Resultat. Die Unterschiede sind offensichtlich: der Körper der „Palomita" des Originals ist kleiner und die Stellung der Buchstaben (hauptsächlich von C, D und O) der Zeichnung im Katalog neigt gegen die Mitte. Abb. 6 zeigt die Unterschiede zwischen Original und vollständiger Rekonstruktion sehr deutlich auf.

Wir können daraus schliessen: wenn der Brief absolut echt ist, muss die „Palomita" auf der Marke von 1873 eine Fälschung sein. Diese beruht sehr wahrscheinlich auf der Zeichnung im Katalog. Den Fälscher kennen wir leider nicht.
Omar's Methode, basierend auf der Rekonstruktion mittels Computer-Graphik, scheint mir für viele Fälle ein ausgezeichnetes Werkzeug zur Entlarvung von Stempelfälschungen zu sein. Ich danke Omar Perez für seine Erlaubnis, die Resultate seiner Arbeit veröffentlichen zu dürfen.